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Ein Leitfaden für Angehörige, die nicht mehr alles alleine schaffen wollen (oder können)

Kurzfassung für Eilige: Eine Pflegekraft für zuhause zu finden ist möglich – aber der Weg dorthin kann unübersichtlich sein. In diesem Beitrag zeigen wir Schritt für Schritt, wie Sie Ihren Bedarf klären, welche Modelle es gibt (Pflegedienst, 24-Stunden-Betreuung, private Anstellung), woran Sie seriöse Anbieter erkennen und wie Sie Kosten und Finanzierung realistisch einschätzen.

Warum die Suche nach einer Pflegekraft für zuhause so anstrengend ist – und sich trotzdem lohnt

Wer zum ersten Mal „Pflegekraft für zuhause finden“ googelt, stellt schnell fest: unzählige Angebote, widersprüchliche Versprechen, extreme Preisunterschiede – und dazwischen die eigene Sorge um Mutter, Vater oder Partner.

Gleichzeitig wünschen sich die meisten älteren Menschen genau das: in den eigenen vier Wänden bleiben, statt ins Heim umzuziehen. Eine häusliche Betreuung – z. B. durch ambulante Pflege oder eine sogenannte „24-Stunden-Betreuung“ – kann genau das ermöglichen.

Damit Sie nicht im Angebots-Dschungel verloren gehen, schauen wir uns strukturiert an:

  • Welche Unterstützung wird wirklich gebraucht?
  • Welche Modelle gibt es?
  • Wo kann man seriöse Pflegekräfte und Anbieter finden?
  • Woran erkennen Sie, ob ein Angebot legal, fair und verlässlich ist?
  • Und: Was bedeutet das alles finanziell?

Schritt 1: Den tatsächlichen Pflegebedarf klären

Bevor Sie überhaupt eine Pflegekraft suchen, lohnt sich ein ehrlicher Blick auf den Alltag:

Fragen, die Sie sich stellen sollten:

  • Welche Tätigkeiten fallen schwer?
    – Körperpflege (Waschen, Anziehen, Toilettengang)
    – Mobilität (Aufstehen, Treppen, Transfers)
    – Essen, Trinken, Medikamente
    – Haushalt (Einkaufen, Kochen, Putzen, Wäsche)
  • Gibt es kognitive Einschränkungen (z. B. Demenz, Verwirrtheit, Weglauftendenzen)?
  • Wird eher Tagespräsenz, Nachtpräsenz oder beides benötigt – zum Beispiel bei starkem nächtigem Bewegungsdrang, Orientierungslosigkeit oder notwendiger Inkontinenzversorgung?
  • Wie viel können und wollen Angehörige realistisch selbst leisten – ohne sich zu überfordern?

Seien Sie bei diesen Angaben möglichst klar und ehrlich – auch gegenüber Vermittlungsagenturen oder Pflegediensten. Dazu gehört zum Beispiel:

  • Wird nachts regelmäßig Hilfe benötigt (Aufstehen, Toilettengänge, Umlagern, Beruhigen)?
  • Liegt eine Inkontinenz vor, die regelmäßige Versorgung und Wäschewechsel erforderlich macht?
  • Wie ist der Zustand der Wohnung (Treppen, enge Flure, Badezimmerzugang, Hilfsmittel wie Pflegebett, Lifter)?

„Schön gerechnete“ Situationen führen häufig dazu, dass eine Pflegekraft vor Ort völlig überfordert ist und die Betreuung abbrechen möchte. Je genauer die Ausgangslage beschrieben wird, desto höher ist die Chance, dass Sie eine passende Person finden, die langfristig bleiben kann.

Nutzen Sie kostenlose Pflegeberatung – z. B. bei Pflegestützpunkten, Pflegekassen oder Wohlfahrtsverbänden. Dort können Sie gemeinsam prüfen, welches Versorgungsmodell zu Ihrer Situation passt.

Schritt 2: Das passende Modell für Pflege zuhause auswählen

„Pflegekraft für zuhause“ ist ein Sammelbegriff. Dahinter stecken verschiedene Modelle mit sehr unterschiedlichen Kosten, Rechten und Pflichten.

Ambulanter Pflegedienst

Ein ambulanter Pflegedienst kommt ein- oder mehrmals täglich nach Hause – zum Beispiel für:

  • Grundpflege (Waschen, Anziehen, Lagerung)
  • Medikamentengabe, Verbände, Insulinspritzen (Behandlungspflege)
  • Unterstützung bei Ernährung

Vorteil:
Alles ist klar geregelt, pflegefachlich gesteuert und mit der Pflege- oder Krankenkasse abrechenbar.

Nachteil:
Zwischen den Einsätzen ist die pflegebedürftige Person oft allein. Für Menschen, die dauerhaft Aufsicht oder Begleitung brauchen, reicht das häufig nicht.

„24-Stunden-Betreuung“ / Betreuungskraft, die mit im Haushalt lebt (Live In)

Hier zieht eine Betreuungskraft (meist aus Osteuropa) in den Haushalt ein und bietet:

  • Unterstützung bei der Körperpflege
  • Hilfe im Haushalt
  • Begleitung im Alltag (Spaziergänge, Gespräche, Struktur im Tagesablauf)

Wichtig:
Diese Betreuungskräfte dürfen keine medizinischen Tätigkeiten übernehmen – das ist Aufgabe eines ambulanten Pflegedienstes.

Dieses Modell ist in Deutschland weit verbreitet und wird meist über Vermittlungsagenturen organisiert.

Privat angestellte oder selbständige Pflegekraft

Manche Familien stellen eine Pflegekraft direkt an (als Arbeitgeber) oder engagieren eine vermeintlich selbständige Betreuungskraft.

Das klingt oft günstiger, birgt aber Risiken:

  • Als Arbeitgeber tragen Sie die volle Verantwortung: Lohnabrechnung, Sozialversicherung, Urlaub, Arbeitszeitgesetz, Lohnfortzahlung etc.
  • Bei Scheinselbständigkeit drohen Nachzahlungen und rechtliche Konsequenzen.

Schritt 3: Wo finde ich überhaupt eine Pflegekraft für zuhause?

Wenn klar ist, was Sie suchen, geht es an die Frage „wo“.

Mögliche Wege:

  1. Empfehlungen
    – Hausarzt, Therapeuten, Apotheke, Pflegestützpunkt, Beratungsstellen, andere Angehörige.
  2. Seriöse Infoportale & Beratungsstellen
    – Verbraucherzentrale, Wohlfahrtsverbände, kirchliche Träger, öffentliche Ratgeber.
  3. Vermittlungsagenturen für 24-Stunden-Betreuung
    – Vermitteln meist Betreuungskräfte aus Osteuropa. Die Bandbreite reicht von sehr seriös bis grenzwertig – hier ist eine kritische Auswahl wichtig.
  4. Online-Portale / Jobbörsen / Kleinanzeigen
    – Zum Beispiel Betreuungsportale, soziale Netzwerke, regionale Foren. Hier müssen Sie besonders auf rechtliche Rahmenbedingungen achten.
  5. Lokale Anzeigenblätter, Aushänge, Mund-zu-Mund-Propaganda
    – Klassischer Weg, oft für kleine Hilfen, selten für komplexere Pflege.

Grundregel:
Je direkter Sie zur Pflegekraft kommen, desto mehr Organisation & Verantwortung liegt bei Ihnen. Je mehr ein professioneller Anbieter übernimmt, desto mehr Struktur & Absicherung gibt es.

Schritt 4: Woran erkenne ich seriöse Anbieter und Agenturen?

Bei der Auswahl einer Vermittlungsagentur oder eines Pflegedienstes sollten bei Ihnen nicht nur Alarmglocken, sondern auch Checklisten klingeln.

  1. Transparente Kosten
    – Klare Auflistung: Grundvergütung, Zuschläge, Reisekosten, Feiertage, Vermittlungsgebühren.
  2. Rechtliches Beschäftigungsmodell
    – Wird eindeutig erklärt, wie die Betreuungskraft angestellt ist (z. B. Entsendemodell, Direktanstellung, Arbeitsvertrag in Deutschland)?
    – Gibt es schriftliche Verträge in verständlichem Deutsch?
    – Passt das Modell zu deutschen Arbeitszeit- und Mindestlohnregelungen?
  3. Leistungskatalog
    – Gibt es eine klare Beschreibung: Was gehört zur Aufgabe der Betreuungskraft, was nicht?
    – Wird abgegrenzt, welche Tätigkeiten ein ambulanter Pflegedienst übernehmen muss (z. B. Injektionen, Verbände)?
  4. Qualifikation & Deutschkenntnisse
    – Welche Erfahrungen hat die Betreuungskraft (z. B. mit Demenz, Mobilisation, Umgang mit Pflegehilfsmitteln)?
    – Welches Sprachniveau ist vereinbart? Ist „Grundkenntnisse“ wirklich genug für Ihre Situation?
  5. Erreichbarkeit & Betreuung
    – Gibt es einen festen Ansprechpartner?
    – Notfallnummer bei Konflikten oder Ausfall der Kraft?
    – Wird eine Vertretung organisiert, wenn jemand krank wird oder abreist?
  6. Seriöse Außenwirkung
    – Impressum mit vollständigen Daten.
    – wo ist der Firmensitz

wenn die Zahlung auf ein oder mehrere Konten verteilt werden soll, sollte man kritisch nachfragen. Vorsicht bei geforderten Barzahlungen.

Folgen Sie der alten Buchhalterregel: “keine Buchung ohne Beleg“

Schritt 5: Kosten & Finanzierung – realistisch statt Wunschdenken

Eine Pflegekraft für zuhause ist kein Schnäppchen, aber viele Familien sind überrascht, wie viel sich durch die Pflegeversicherung und clevere Kombinationen auffangen lässt.

Grobe Kostenordnung:
Für eine legale 24-Stunden-Betreuung durch eine entsendete Betreuungskraft aus Osteuropa liegen die monatlichen Kosten in der Praxis häufig etwa zwischen ca. 2.800 und 4.500 Euro, abhängig von Sprachkenntnissen, Aufgaben, Zuschlägen und Anfahrtswegen.

Ambulante Pflegedienste rechnen Leistungen direkt mit der Pflegekasse und Krankenkasse ab – hier fällt für Sie vor allem ein Eigenanteil an, wenn das Budget der Pflegesachleistungen ausgeschöpft ist.

Welche Leistungen der Pflegeversicherung helfen?
Je nach Pflegegrad können unter anderem genutzt werden:

  • Pflegegeld (bei häuslicher Pflege, auch durch Angehörige oder 24h-Betreuung)
  • Pflegesachleistungen (für ambulante Pflegedienste)
  • Kombinationsleistungen (Mischung aus Geld & Sachleistung)
  • Verhinderungs- und Kurzzeitpflege (z. B. zur Finanzierung von Übergangsphasen)
  • Entlastungsbetrag (für bestimmte Angebote im Alltag)

Hinzu kommen gegebenenfalls steuerliche Vorteile (haushaltsnahe Dienstleistungen).

Schritt 6: Die richtige Person auswählen – jenseits von Lebenslauf und Zeugnis

Die beste Qualifikation hilft wenig, wenn die Chemie nicht stimmt. Achten Sie neben Fakten auch auf weiche Faktoren:

  • Passt die Persönlichkeit zur pflegebedürftigen Person?
    – Ruhig vs. lebhaft
    – Humor vs. eher sachlich
    – Tierliebe (Hund/Katze?)
  • Gibt es Gemeinsamkeiten (Sprache, Religion, Hobbys, Essgewohnheiten)?
  • Wie wirkt die Person im Kennenlern-Gespräch (Video oder persönlich)?

Gerade bei einer Betreuungskraft, die mit im Haushalt lebt, spielen kultureller Hintergrund und religiöse Prägung eine größere Rolle, als viele Familien zunächst denken. Eine Pflegekraft isst unter Umständen andere Dinge, kocht anders, hat andere Vorstellungen von Feiertagen, Sonntagen oder Gebetszeiten. Es hilft enorm, diese Themen offen anzusprechen:

  • Gibt es bestimmte Lebensmittel, die die Betreuungskraft aus religiösen Gründen nicht isst (z. B. Schweinefleisch)?
  • Wie lassen sich die Gewohnheiten des Haushalts und die Vorlieben der Betreuungskraft beim Essen verbinden?
  • Gibt es religiöse Rituale oder Feiertage, die berücksichtigt werden sollten?

Wenn möglich, planen Sie:

  • Wie alt ist die Kandidatin oder der Kandidat, passt das zur betreuten Person und zur Aufgabe
  • passt das Wohnumfeld zum Bewerber (Stadt, Land, Außerhalb)
  • Eine klare Absprache zu Erwartungen, Aufgaben und Grenzen.
  • Aller Anfang ist schwer – geben Sie der Situation ein paar Tage Zeit, nach der beide Seiten offen sagen dürfen: Das passt – oder auch nicht.

Es ist nicht selten, dass es mehrerer Anläufe braucht, bis die passende Hilfe gefunden ist.

Schritt 7: Die ersten Wochen gut gestalten

Die beste Pflegekraft scheitert, wenn sie in ein Chaos ohne Absprachen hineingerät.

Was hilft in den ersten Wochen:

  • Ein einfacher Wochenplan (Aufstehzeiten, Mahlzeiten, Termine, Medikamente).
  • Eine Notfallliste mit Kontakten: Hausarzt, Facharzt, Pflegedienst, Angehörige.
  • Klare Regelungen:
    – Wo schläft die Betreuungskraft?
    – Wann sind Pausen und Freizeit?
    – Wer entscheidet im Zweifel (z. B. bei Arztfragen)?
  • Ein kurzer, regelmäßiger Austausch (z. B. einmal pro Woche): Was läuft gut? Was stresst? Was müssen wir ändern?

Gerade zu Beginn lohnt sich auch ein offenes Gespräch über praktische Dinge des Alltags:

  • Welche Mahlzeiten sind der pflegebedürftigen Person wichtig, und was isst die Betreuungskraft gern?
  • Wie kann man einen Essensplan finden, der beide Seiten respektiert – auch bei religiösen Essensvorschriften?
  • Wie sollen Inkontinenzmaterial, Wäsche und Reinigung in der Wohnung organisiert werden, damit es für alle praktikabel bleibt?

So vermeiden Sie viele Konflikte, bevor sie entstehen.

Häufige Fehler bei der Suche nach einer Pflegekraft für zuhause

Damit Sie nicht in klassische Fallen tappen, hier eine kleine „Don’t-do-Liste“:

  1. Nur nach dem niedrigsten Preis entscheiden
    – Extrem billige Angebote gehen oft auf Kosten von Lohn, Sozialversicherung oder Qualität.
  2. „Schwarzarbeit“ oder unklare Modelle in Kauf nehmen
    – Klingt unkompliziert – kann aber finanziell und strafrechtlich teuer werden.
  3. Keine klare Aufgabenbeschreibung
    – „Die macht dann alles“ ist ein guter Start für Frust.
  4. Kein Plan B bei Ausfall
    – Krankheit, Familiennotfall, Kündigung – was passiert dann?
  5. Angehörige völlig aus dem System nehmen
    – Eine Pflegekraft für zuhause entlastet, ersetzt aber nicht jede Verantwortung.
  6. Ansprechpartner und Entscheidungswege unklar
    – Wer entscheidet im Zweifelsfall, wer ist erreichbar, wer ist Rechnungsempfänger?
    – Liegen alle notwendigen Vollmachten vor?
  7. Über den Kopf der Betroffenen hinweg entscheiden
    – Binden Sie die pflegebedürftigen in die Entscheidung mit ein.
    – Stellen Sie die neue Situation als gemeinsamen Vorteil für alle Beteiligten dar – nicht als belastende Veränderung.

kurze Checkliste: wie finde ich eine gute Pflegekraft für zuhause?

  1. Bedarf klären
    – Welche Tätigkeiten braucht es konkret – auch nachts?
    – Liegt eine Inkontinenz vor, wie aufwendig ist die Versorgung?
    – Wie ist der Zustand der Wohnung (Treppen, Bad, Hilfsmittel)?
    – Pflegegrad vorhanden / beantragt?
    – Wer kann im Umfeld wieviel leisten?
  2. Modell wählen
    – Reicht ambulanter Pflegedienst?
    – Braucht es eine Live-In-Betreuung?
    – Möchten wir selbst Arbeitgeber sein (ja/nein)?
  3. Informationsquellen nutzen
    – Pflegeberatung, Pflegestützpunkt, Hausarzt
    – Verbraucherzentrale / Wohlfahrtsverbände
    – Seriöse Vermittlungsagenturen vergleichen
  4. Anbieter prüfen
    – Transparente Kosten & Verträge
    – Rechtlich sauberes Modell (Arbeitszeit, Mindestlohn, Sozialversicherung)
    – Klarer Leistungskatalog
    – Fester Ansprechpartner & Vertretungsregelung
  5. Personalauswahl
    – Erfahrung passend zu Krankheit / Pflegegrad
    – Deutschkenntnisse klären / Empathie ist wichtiger als Sprache
    – Kultureller und religiöser Hintergrund passen zumindest grob zur Lebenswelt der pflegebedürftigen Person.
  6. Startphase
    – Wochenplan, Notfallkontakte, feste Absprachen
    – Gemeinsamer Essens- und Haushaltsplan
    – Regelmäßiger Austausch & Bereitschaft, nachzujustieren

Was wir als Ihr Team 24 für Sie tun können

Wenn Sie diesen Beitrag lesen, stehen Sie vermutlich vor einer der schwierigsten Entscheidungen: Wie organisiere ich Pflege zuhause, ohne mich selbst zu überfordern – und ohne meine Angehörigen zu übersehen?

Genau hier setzen wir als Ihr Team 24 Pflegedienst GmbH an:

  • Wir suchen eine geeignete Kraft, die die Betreuung in den eigenen vier Wänden unterstützt und die Angehörigen entlastet.
  • Wir achten auf legale Beschäftigungsmodelle, faire Rahmenbedingungen und realistische Arbeitszeiten.
  • Wir begleiten Sie von der ersten Bedarfseinschätzung bis zur langfristigen Betreuungssituation.

Nutzen Sie diesen Beitrag gern als Checkliste für Gespräche – auch mit uns. Stellen Sie kritische Fragen, vergleichen Sie Angebote und prüfen Sie in Ruhe, was zu Ihnen passt.

Denn am Ende geht es nicht nur darum, „eine Pflegekraft für zuhause zu finden“, sondern darum, die richtige Person und das richtige Modell für Ihre Familie zu wählen.

Was man alles falsch machen kann – und warum dann die mühsam gefundene Betreuungskraft wieder abreist

Man stelle sich vor: Wochenlang haben Sie telefoniert, verglichen, gerechnet. Endlich ist eine Betreuungskraft gefunden. Lebenslauf passt, Deutschkenntnisse klingen gut, die Agentur wirkt seriös. Der Anreisetermin steht, alle atmen auf: „Jetzt wird alles besser.“

Und dann – nach ein paar Tagen oder Wochen – heißt es plötzlich:
„Es tut mir leid, ich schaffe das so nicht. Ich möchte wieder nach Hause.“

Was ist passiert?

„So schlimm ist es nachts nicht…“ – bis die Realität kommt

Am Telefon klang es noch harmlos:

  • fünf- bis sechsmal jede Nacht aus dem Bett springen
  • Orientierungslosigkeit auf dem Flur
  • Aggression aus Angst oder Verwirrung
  • Sturzgefahr im Bad
  • vielleicht noch Inkontinenz, die kein Mensch „mal schnell nebenbei“ erledigt

Was auf dem Papier nach „leichter Betreuung“ aussah, entpuppt sich als Dauernotdienst ohne Schlaf. Kein Wunder, wenn eine Betreuungskraft nach wenigen Tagen merkt: „Das halte ich körperlich nicht aus“ – und die Koffer wieder packt.

Falsche Erwartung:
„Wir sagen erstmal nicht alles, sonst bekommen wir niemanden.“

Ergebnis:
Genau deshalb bleibt niemand.

Inkontinenz „schönreden“ – ein klassischer Abreisetrigger

Reizthema: Inkontinenz.

Wenn Sie sagen:
„Ja, da geht manchmal was daneben, aber das ist nicht so schlimm…“

…und in Wirklichkeit bedeutet es:

  • mehrmals täglicher Wäschewechsel
  • große Wäscheberge
  • Geruch, wenn nicht sofort gehandelt wird
  • nächtliche Bettbezüge wechseln

dann erleben Sie vor Ort eine Betreuungskraft, die sich überrumpelt fühlt. Nicht, weil sie „zu schade zum Aufräumen“ ist – sondern weil sie etwas ganz anderes zugesagt bekam.

Wer hier nicht klar ist, sorgt dafür, dass die Betreuerin innerlich kündigt, lange bevor sie die Wohnung verlässt.

Wohnsituation realistisch schildern

Wohnung: „Alles kein Problem“ – bis die Mitarbeiterin ankommt

Der Zustand und Zuschnitt der Wohnung sind oft Thema:

  • schmale, steile Treppe ohne Handlauf
  • Mini-Bad, in dem man kaum drehen kann
  • kein Pflegebett, kein Haltegriff, kein Duschstuhl
  • das Zimmer der Betreuungskraft: Abstellkammer ohne Rückzugsmöglichkeit

Wenn am Telefon von „gemütlicher Wohnung mit eigenem Zimmer“ die Rede war und vor Ort eine Mischung aus Baustelle, Stolperfallen und Rumpelkammer wartet, fühlt sich die Betreuungskraft nicht ernst genommen.

Und mal ehrlich:
Würden Sie mehrere Wochen oder Monate arbeiten wollen, schlafen zwischen Kartons, ohne Platz, ohne richtigen Schrank – und gleichzeitig 24/7 verfügbar sein?

Essen, Kultur, Religion: „Das wird schon“ ist kein Konzept

Typische Konflikte:

Die Betreuungskraft bringt ihre eigene Kultur, Religion und Essgewohnheiten mit.

  • Im Haushalt wird fast täglich Schweinefleisch gegessen – die Betreuerin ist gläubige Muslima und möchte es nicht zubereiten oder essen.
  • Die Familie isst abends warm, spät und viel – die Betreuungskraft mag mittags warm und abends leicht.
  • „Hier gibt es mittags immer nur Suppe.“ – Was für viele Seniorinnen und Senioren normal ist, wird schnell zur unausgesprochenen Erwartung: Die Betreuungskraft soll sich diesen Essgewohnheiten ohne Rücksprache anpassen.
  • Sonntage, kirchliche Feiertage oder Gebetszeiten werden belächelt – „dafür haben wir jetzt wirklich keine Zeit“.

Oft ist die Erwartung:
„Du bist zwar da, aber bitte funktioniere einfach in unserem System. Dafür bezahlen wir ja schließlich eine Menge Geld.“

Das Ergebnis:
Innere Distanz, Unzufriedenheit, Heimweh.
Und irgendwann die Entscheidung: „Ich komme nicht mehr zurück“.

„Die macht dann alles“ – die perfekte Anleitung für Frust

Ein weiterer Klassiker:

„Wir brauchen einfach jemanden, der alles macht.“

Übersetzt heißt das:

  • Pflege
  • Haushalt
  • Einkaufen
  • Kochen
  • Nachtwache
  • Spaziergänge
  • Geduld für schwierige Stimmung
  • und bitte immer freundlich, immer belastbar

Ohne:

  • klare Aufgaben
  • feste Pausen
  • geregelte Arbeitszeiten
  • realistische Prioritäten

So etwas sprengt jedes normale Arbeitsverhältnis. Was auf dem Papier nach „Hilfe im Haushalt und Betreuung“ klingt, ist in Wirklichkeit oft eine Drei-Personen-Stelle zum Preis von einer.

Angehörige im Rückzug: „Jetzt ist ja jemand da“

Das nächste Missverständnis:
„Jetzt, wo eine Betreuungskraft im Haus ist, müssen wir ja nicht mehr so oft kommen.“

Natürlich sollen Angehörige entlastet werden – das ist Sinn der Sache.
Aber wenn die Familie von „präsent und unterstützend“ zu „quasi unsichtbar“ wechselt, passiert Folgendes:

  • Alle Entscheidungen, Frust, Konflikte landen bei einer Person.
  • Die Betreuungskraft wird zur Projektionsfläche für alles, was vorher schon schwierig war.
  • Die pflegebedürftige Person fühlt sich möglicherweise abgeschoben – und lässt es an der Betreuerin aus.

Wenn niemand da ist, der Konflikte moderiert, ist der Weg zur Abreise nicht mehr weit.

Die Summe der kleinen Unehrlichkeiten ist oft eine Mischung aus:

  • beschönigten Nachteinsätzen
  • klein geredeter Inkontinenz
  • unklaren Aufgaben
  • fehlender Rückzugsmöglichkeit
  • ignorierten kulturellen/religiösen Bedürfnissen
  • überhöhten Erwartungen („die schafft das schon“)

Selten wird der Einsatz nur aus einem Grund abgebrochen.

Die Betreuerin merkt:
„Das, was man mir versprochen hat, hat mit der Realität zu wenig zu tun.“
Wer einmal das Gefühl hat, mit halben Wahrheiten in eine Überforderung gelockt worden zu sein, der kommt in der Regel nicht ein zweites Mal.

Vom Arbeitgeber- zum Bewerbermarkt – Heute wählen die Betreuungskräfte

Man muss sich hin und wieder klarmachen, wie sehr sich das Verhältnis von Hilfebedarf und Bewerbern verschoben hat: Die Zahl der pflegebedürftigen Menschen in Deutschland ist seit 2011 von rund 2,5 Millionen auf knapp 5,7 Millionen Ende 2023 gestiegen – rund 85 % von ihnen werden zu Hause versorgt. Gleichzeitig gibt es immer weniger Bewerber pro Stelle: Nach Daten der Bundesagentur für Arbeit kommen auf 100 gemeldete offene Stellen in der Pflege heute nur noch etwa 33 arbeitslose Pflegefachpersonen; 2012 waren es noch 45. Anders gesagt: Vor 10–15 Jahren konnte man sich in der Regel noch zwischen mehreren Kandidaten entscheiden – heute buhlen zwei bis drei Arbeitgeber um eine einzige Bewerberin oder einen Bewerber.

Und wie macht man es besser?

Viele Abreisen und gar nicht erst beginnende Einsätze ließen sich verhindern, wenn Familien sich trauen würden, von Anfang an brutal ehrlich zu sein:

  • zur Nachtbelastung,
  • zur Inkontinenz,
  • zum tatsächlichen Zustand der Wohnung,
  • zur Bereitschaft der Betroffenen, Hilfe zuzulassen,
  • zu den eigenen Grenzen,
  • und zu den kulturellen bzw. religiösen Unterschieden.

Wer klar sagt:
„Ja, das ist anstrengend – aber wir wissen es, benennen es und stehen dazu“
…hat wesentlich bessere Chancen, eine Hilfe zu finden, die sagt:
„Das ist nicht leicht, aber ich weiß, worauf ich mich einlasse.“

Gemeinsam unter einem Dach: Betreuung braucht Mut und Vertrauen.

Bedenken Sie auch, wie viel Unsicherheit bei einer häuslichen 24-Stunden-Betreuung auf beiden Seiten mitschwingt: Die überwiegend weiblichen Betreuungskräfte lassen ihr Zuhause für mehrere Wochen oder Monate zurück, ziehen in einen fremden Haushalt, leben rund um die Uhr mit Menschen zusammen, die sie vorher nie gesehen haben – und wissen oft nicht genau, was sie vor Ort erwartet. Die pflegebedürftigen Menschen und ihre Angehörigen wiederum lassen eine ihnen völlig fremde Person nicht nur in ihre Wohnung, sondern in ihren Alltag, ihren Körperpflege-Bereich, ihre familiären Routinen und Konflikte.

Gerade in den ersten Wochen braucht es deshalb auf allen Seiten viel Verständnis, Mut und Geduld. Unser Wunsch ist, dass so eine langfristige, würdevolle, respektvolle und vertrauensvolle Betreuungssituation entsteht, von der alle Beteiligten profitieren.