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Wenn Pflege nötig wird, geht es am Anfang oft nur um das Organisieren: Wer hilft wann? Welche Unterstützung ist sinnvoll? Und wie bekommen wir das hin, ohne dass alles kippt?

Kurz darauf kommt dann eine zweite, sehr konkrete Sorge dazu: die Kosten. Denn die Pflegeversicherung hilft – aber sie bezahlt Pflege in vielen Fällen nicht vollständig. Wenn dann eine Lücke bleibt und das eigene Geld nicht reicht, kann die „Hilfe zur Pflege“ einspringen. Das ist eine Leistung der Sozialhilfe, die über das Sozialamt beantragt wird.

Was sie ist und wie sie Ihnen helfen kann, listen wir im Folgenden für Sie auf.

 

Was ist „Hilfe zur Pflege“?

Hilfe zur Pflege ist eine Leistung der Sozialhilfe nach dem SGB XII. Sie soll Pflegekosten mittragen, wenn die Pflegeversicherung nicht ausreicht und die pflegebedürftige Person die restlichen Kosten nicht selbst bezahlen kann.

Ein einfaches Bild hilft vielen Angehörigen:

  • Die Pflegekasse zahlt einen festen Betrag (je nach Pflegegrad/Leistung).
  • Die Pflege kostet aber oft mehr.
  • Die Differenz ist die Pflegekosten-Lücke.
  • Wenn diese Lücke nicht aus Einkommen/Vermögen gedeckt werden kann, prüft das Sozialamt „Hilfe zur Pflege“.

Und wichtig: Das ist nichts, wofür man sich „rechtfertigen“ muss. Es ist ein geregelter Anspruch, wenn die Voraussetzungen vorliegen.

 

Wann kann man Hilfe zur Pflege beantragen?

Viele warten zu lange, weil sie hoffen, dass es „irgendwie geht“. Das ist menschlich. Nur wird es dadurch oft nicht leichter.

Sie können Hilfe zur Pflege beantragen, sobald absehbar ist, dass die Pflegekosten dauerhaft nicht mehr zu stemmen sind – zum Beispiel:

  • Wenn der Eigenanteil im Pflegeheim zu hoch ist,
  • die Kosten zuhause (Pflegedienst, 24-Stunden-Betreuung) übersteigen das Budget,
  • Rechnungen bleiben liegen oder man greift regelmäßig an Rücklagen, die eigentlich fürs Leben gedacht waren.

Ein besonders wichtiger Punkt: In der Praxis gilt häufig, dass Leistungen nicht rückwirkend für „lange zurück“ übernommen werden, sondern ab Antrag bzw. ab dem Zeitpunkt, ab dem das Sozialamt davon weiß. Darum lohnt sich ein früher Antrag.

 

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein?

Das Sozialamt prüft im Kern zwei Dinge:

Pflegebedürftigkeit

In der Regel braucht es eine festgestellte Pflegebedürftigkeit (oft über Pflegegrad). Liegt noch kein Pflegegrad vor, kann die Begutachtung parallel organisiert werden – je nach Konstellation über Pflegekasse oder (in bestimmten Fällen) über das Sozialamt.

Finanzielle Bedürftigkeit

Es wird geschaut:

  • welche Einnahmen vorhanden sind (z. B. Rente),
  • und ob Vermögen eingesetzt werden kann oder muss.

Hier ist der Punkt, an dem viele Angehörige innerlich zusammenzucken. Verständlich. Aber: Es geht nicht darum, jemanden in den Bankrott laufen zu lassen, sondern darum, fair zu prüfen, welche Mittel zumutbar sind und welche Hilfe notwendig ist.

 

Wo beantrage ich Hilfe zur Pflege?

Zuständig ist das Sozialamt am Wohnort der pflegebedürftigen Person.

Der einfachste Weg, die richtige Stelle zu finden, ist das Bundesportal. Dort heißt die Leistung direkt „Hilfe zur Pflege beantragen“ – und man kann über Ort/PLZ zur zuständigen Behörde geführt werden.

 

Wie stelle ich den Antrag?

Das ist der Teil, der sich oft „groß“ anfühlt. In Wahrheit ist es ein überschaubarer Ablauf:

  1. Antrag abgeben

Je nach Kommune geht das

  • schriftlich,
  • persönlich,
  • teilweise online.

Wenn Sie nur einen Satz mitnehmen:
Lieber den Antrag starten und Unterlagen nachreichen, als warten und Zeit verlieren.

  1. Unterlagen nachreichen

Das Amt fordert oft noch Dokumente an oder bittet um Ergänzungen.

  1. Bescheid abwarten

Dann kommt eine Entscheidung: Bewilligung ganz/teilweise oder Ablehnung mit Begründung.

 

Welche Unterlagen braucht man typischerweise?

Je nach Stadt/Landkreis kann es Unterschiede geben, aber häufig werden diese Unterlagen verlangt:

  • Ausweis / Daten der pflegebedürftigen Person
  • Nachweise über Einkommen (z. B. Rentenbescheid)
  • Nachweise über Vermögen (z. B. Kontostände)
  • Nachweis zur Pflegebedürftigkeit (Pflegegrad-Bescheid, Gutachten)
  • Nachweise über die Pflegekosten (Heimvertrag, Rechnungen, Kostenaufstellung)

Tipp aus der Praxis:
Legen Sie einen Ordner an (oder einen digitalen Ordner) mit drei Unterreitern:
Einkommen – Vermögen – Pflegekosten. Das macht Rückfragen einfacher und beschleunigt die Bearbeitung.

 

Was passiert nach dem Antrag?

Nach Eingang prüft das Sozialamt:

  • ob die Pflegebedürftigkeit anerkannt ist,
  • wie hoch die Kosten sind,
  • welche Leistungen der Pflegekasse bereits fließen,
  • und welche Mittel zumutbar eingesetzt werden können.

Wenn etwas fehlt, kommen Nachfragen. Das ist vollkommen normal. Wichtig ist nur: ruhig bleiben, sortiert antworten, alles schriftlich festhalten (Datum, Ansprechpartner, was nachgereicht wurde).

 

Häufige Fehler – und wie Sie sie vermeiden

  • Zu langes Warten: Aus Scham oder Hoffnung. Besser früh starten.
  • Kostenübersicht fehlt: Eine einfache Übersicht mit monatlichen Pflegekosten, Zahlungen der Pflegekasse und der verbleibenden Lücke macht die Situation sofort nachvollziehbar
  • Unterlagen an einem Ort sammeln: Es kostet Sie später Zeit und Kraft. Ein strukturierter Ordner für Bescheide, Rechnungen und Kontoauszügen lohnt sich sofort.

 

Mini-Checkliste für Angehörige

  • Pflegegrad prüfen und bei Bedarf Antrag bei der Pflegekasse stellen
  • Leistungen der Pflegekasse zusammentragen (Bescheide, Bewilligungen, Zahlungsübersicht)
  • Monatliche Pflegekosten-Lücke berechnen (Gesamtkosten minus Leistungen der Pflegekasse)
  • Zuständiges Sozialamt über das Bundesportal ermitteln
  • Antrag auf „Hilfe zur Pflege“ einreichen (Unterlagen können nachgereicht werden)
  • Unterlagen strukturiert ablegen: Einkommen, Vermögen, Pflegekosten-Belege (Rechnungen/Verträge)

 

Ein menschlicher Gedanke zum Schluss

„Hilfe zur Pflege“ beantragen fühlt sich für viele Familien nicht nach einem Formular an, sondern nach einem Eingeständnis: Wir schaffen es nicht allein.
Aber genau dafür ist diese Unterstützung da.

Das System ist so gebaut, dass die Pflegeversicherung in vielen Fällen nur einen Teil der Kosten abdeckt. Der Rest bleibt als Eigenanteil. Und genau an dieser Stelle macht das System diesen Schritt oft schlicht notwendig: Wenn die Lücke zu groß wird, führt für viele Menschen kein Weg an der „Hilfe zur Pflege“ vorbei. Das ist keine persönliche Niederlage – das ist die logische Folge eines Finanzierungssystems, das Pflege nicht vollständig absichert.

Sie sorgt nicht dafür, dass Pflege plötzlich leicht wird. Doch sie kann dafür sorgen, dass Pflege möglich bleibt, ohne dass Existenzängste alles überlagern. Seien Sie daher ermutigt diesen Schritt zu gehen. Laut statistischem Bundesamt erhalten  98% aller Empfängerinnen und Empfängern in stationäre Pflege die „Hilfe zur Pflege“. In der häuslichen Pflege sind es logischerweise weniger. Hier sind es rund 19% – das liegt jedoch an der individuellen familiären Situation und den jährlichen Pflegesatzverhandlungen, die dazu führen, dass die Pflegeleistungen ausreichen.

 

 

FAQ

Was ist Hilfe zur Pflege?
Sozialhilfe vom Sozialamt, wenn Pflege nötig ist und Pflegekasse plus eigenes Geld die Kosten nicht decken.

Kann dadurch auch eine legale Betreuung nach dem Modell der 24-Stunden-Betreuung?
Bei einem zugelassenen Pflegedienst wie Ihr Team 24, kann auch diese Kostenlücke damit geschlossen werden. Bei Vermittlungsagenturen wird das i. d. R. nicht genehmigt.

Wo stelle ich den Antrag?
Beim Sozialamt am Wohnort; die zuständige Stelle finden Sie über das Bundesportal.

Wann sollte ich den Antrag stellen?
Sobald klar wird, dass die Pflegekosten dauerhaft nicht bezahlbar sind – lieber früh als zu spät.

Welche Unterlagen sind am wichtigsten?
Nachweise zu Einkommen, Vermögen, Pflegebedürftigkeit und Pflegekosten (Verträge/Rechnungen).

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