Zum Hauptinhalt springen

 

Wie hoch sind die Pflegeheim-Kosten 2026 wirklich?

Wenn Medien von „Kosten im Pflegeheim“ sprechen, ist meist der Eigenanteil gemeint – also der Teil, den Bewohnerinnen und Bewohner trotz Pflegeversicherung selbst zahlen.

Dieser Betrag setzt sich in der Regel aus mehreren Bausteinen zusammen, u. a.:

  • Pflege und Betreuung (abzüglich Leistungen der Pflegekasse + Entlastungszuschläge)
  • Unterkunft und Verpflegung
  • Investitionskosten (Gebäude/Instandhaltung)
  • teils Ausbildungsumlagen

Dass der Eigenanteil steigt, ist keine Momentaufnahme: Die aktuellen Auswertungen (u. a. vdek) zeigen für den Jahreswechsel 2026 erneut ein Plus – im bundesweiten Schnitt liegen wir mittlerweile bei einem Eigenanteil von 3245€ monatlich.

Wichtig: Die Spannweite zwischen Bundesländern ist groß – und auch innerhalb eines Bundeslands können die Unterschiede zwischen Einrichtungen deutlich sein.

 

Warum steigen die Eigenanteile im Pflegeheim?

Höhere Personalkosten (notwendig – aber teuer)

Pflege braucht Fachkräfte. Höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen sind richtig – aber sie erhöhen die laufenden Kosten in der stationären Pflege spürbar.

Allgemeine Kostensteigerungen

Energie, Lebensmittel, Betriebskosten, medizinische Verbrauchsmaterialien: Was im Alltag teurer wird, wird auch im Heim teurer.

Pflegeversicherung deckt nur einen Teil ab

Die Pflegeversicherung übernimmt nicht „die Heimkosten“, sondern zahlt Leistungsbeträge, die die Gesamtkosten oft nicht einholen. Genau diese Lücke spüren Familien als Eigenanteil – Monat für Monat.

 

Wie hoch sind die Kosten zur Zeit in Deutschlands Großstädten?

Kostenübersicht
Stadt Kostenpunkt ~ Stadt Kostenpunkt ~
München 4000€ Berlin 3200€
Mannheim 3600€ Frankfurt a. M. 3200€
Bremen 3600€ Kiel 3200€
Stuttgart 3500€ Köln 3100€
Hamburg 3300€ Hannover 3000€
Mainz 3200€ Erfurt 3000€

 

Was das für Angehörige bedeutet – und warum Sozialhilfe kein Tabu ist

Wenn der Eigenanteil dauerhaft höher ist als Rente + Vermögen hergeben, landet man schnell bei „Hilfe zur Pflege“ (Sozialamt). Das ist längst kein Randthema mehr.

Und: Sozialhilfe in der Pflege ist kein Almosen, sondern ein Rechtsanspruch, wenn die Voraussetzungen erfüllt sind.

Mehr dazu können Sie in unserem Blogartikel „Hilfe zur Pflege“ nachlesen.

Angehörige haften nur noch eingeschränkt

Viele haben Angst, dass „die Kinder alles zahlen müssen“. Seit 2020 gilt jedoch: In der Regel werden Kinder erst ab 100.000 Euro Jahresbruttoeinkommen (Grenze im Angehörigen-Entlastungsgesetz) zum Elternunterhalt herangezogen.

Auch hierzu haben wir für Sie bereits nähere Informationen zusammengestellt, wann Kinder für Ihre Eltern haften.

 

Entlastungszuschläge: Warum sie oft nicht reichen

Es gibt Entlastungszuschläge, die den pflegebedingten Eigenanteil mindern – abhängig davon, wie lange jemand im Heim lebt (Staffelung nach Aufenthaltsdauer). Das hilft – aber häufig greift die Entlastung langsamer als die Gesamtkosten steigen.

Ein weiterer Punkt, der in der Praxis oft frustriert: Viele Menschen ziehen heute relativ spät ins Heim ein – die Aufenthaltsdauer ist oft begrenzt. Dadurch profitieren manche nur kurz von höheren Zuschlagsstufen (und am Anfang ist die Entlastung am niedrigsten).

 

Alternativen zum Pflegeheim: Welche Optionen Familien realistisch prüfen können

Die Frage ist selten „Heim oder gar nichts“, sondern eher: Welche Versorgungsform ist finanziell tragbar und menschlich passend?

Ambulante Pflege (klassisch)

  • Leistungen der Pflegekasse (Sachleistungen/Pflegegeld – je nach Pflegegrad)
  • Zuzahlungen je nach Umfang
  • funktioniert gut, wenn Struktur und Angehörigen-Ressourcen da sind

Betreuung zu Hause / 24-Stunden-Betreuung (je nach Modell)

  • kann kalkulierbarer sein als Heimkosten
  • bietet häufig mehr Kontinuität (feste Bezugsperson statt Schichtwechsel)
  • setzt aber Voraussetzungen voraus: Zimmer für Betreuungskraft, Wohnraumanpassung, klare Aufgabenabgrenzung (Betreuung vs. Behandlungspflege)

Falls die 24h-Betreuung für Sie eine Option darstellt, können Sie sich hier über den Ablauf, Alltag und echte Hilfe sowie über deren Kosten informieren.

Wichtig: Zuhause ist nicht automatisch „einfach“

Zuhause braucht Organisation, Koordination und Ehrlichkeit. Der Unterschied: Man gestaltet – statt nur zu reagieren. (Diesen Gedanken aus dem Kollegen-Entwurf habe ich bewusst beibehalten.)

 

Entscheidungslogik: 7 Fragen, die wirklich weiterhelfen

  1. Wie hoch ist der Eigenanteil im konkreten Heim vor Ort (nicht nur der Bundesdurchschnitt)?
  2. Welche Positionen treiben die Kosten: Pflege/Betreuung, Unterkunft/Verpflegung, Investition?
  3. Wie stabil ist ein häusliches Setting organisatorisch machbar (Familie, Dienstpläne, Ausfälle)?
  4. Welche Risiken sind zu Hause kritisch (Sturz, Demenz, Nachtversorgung, Wohnraumsituation)?
  5. Welche Leistungen stehen zu (Pflegegrad, Verhinderungspflege, Entlastungsbetrag, Kombinationsleistung)?
  6. Was ist das eigentliche Ziel: Würde, Nähe, Planbarkeit, Kostenkontrolle – was wiegt am stärksten?
  7. Gibt es einen Plan B (Kurzzeitpflege, Tagespflege, Wechselmodell)?

 

Zusammenfassend lässt sich sagen

Die steigenden Eigenanteile im Pflegeheim sind für viele Familien nicht mehr nur „unangenehm“, sondern existenziell. 3.245 Euro im Monat im ersten Heimjahr sind eine Größenordnung, die Entscheidungen erzwingt – auch bei Menschen, die glaubten, „gut vorgesorgt“ zu haben.

Der wichtigste Schritt ist deshalb nicht, sofort eine Lösung zu wählen – sondern sauber zu rechnen, früh zu planen und sich unabhängig beraten zu lassen (z. B. Pflegestützpunkt). Und dann die Option zu wählen, die finanziell tragbar und menschlich passend ist.

 

FAQ

Wie hoch ist der Eigenanteil im Pflegeheim 2026?
Im bundesweiten Durchschnitt liegt der Eigenanteil für Neuaufnahmen im ersten Jahr 2026 bei rund 3.245 Euro pro Monat (Auswertungen u. a. auf Basis vdek).

Warum zahlt man trotz Pflegeversicherung so viel selbst?
Weil die Pflegeversicherung feste Leistungsbeträge zahlt, aber Kosten für Unterkunft/Verpflegung und Investitionen nicht vollständig abdeckt – die Differenz bleibt als Eigenanteil.

Müssen Kinder für die Heimkosten der Eltern zahlen?
In der Regel nur, wenn das Jahresbruttoeinkommen über 100.000 Euro liegt (Angehörigen-Entlastungsgesetz).

 

 

Quellen & Einordnung – woher stammen die Informationen?

  • ARD-Morgenmagazin
    Regelmäßige Beiträge zur Entwicklung der Pflegeheimkosten, zuletzt mit Schwerpunkt auf steigenden Eigenanteilen und finanzieller Überforderung von Pflegebedürftigen.
  • ZDF-Morgenmagazin
    Aktuelle Berichte zur Pflegefinanzierung, zur wachsenden Rolle der Sozialhilfe und zu den Folgen steigender Heimkosten.
  • AOK-Bundesverband
    Veröffentlichungen und Stellungnahmen zur Entwicklung der Eigenanteile in Pflegeheimen sowie zur Finanzierung der Pflegeversicherung.
  • Wissenschaftliches Institut der AOK (WIdO)
    Datengrundlage vieler Medienberichte; regelmäßige Analysen zur Kostenentwicklung in der stationären Pflege und zur zunehmenden Inanspruchnahme von Sozialhilfe („Hilfe zur Pflege“).
  • Verband der Ersatzkassen
    Monatliche Übersichten zu Eigenanteilen im Pflegeheim, differenziert nach Bundesländern und Aufenthaltsdauer.
  • Sozialgesetzbuch XII (SGB XII) – Hilfe zur Pflege
  • Angehörigen-Entlastungsgesetz (seit 2020) – deutliche Begrenzung der finanziellen Heranziehung von Kindern
  • Informationen kommunaler Sozialhilfeträger zur steigenden Zahl von Pflegefällen mit Sozialhilfebeteiligung

Lassen Sie sich jetzt kostenlos beraten.

Unser Team ist persönlich für Sie da – kompetent, empathisch und direkt erreichbar.
Jetzt Beratung starten

Felder mit einem * sind Pflichtfelder