Steigende Eigenanteile im Pflegeheim: Kostenexplosion, Ursachen und Alternativen zur stationären Pflege
D.E.
23. Januar 2026


Wenn Medien von „Kosten im Pflegeheim“ sprechen, ist meist der Eigenanteil gemeint – also der Teil, den Bewohnerinnen und Bewohner trotz Pflegeversicherung selbst zahlen.
Dieser Betrag setzt sich in der Regel aus mehreren Bausteinen zusammen, u. a.:
Dass der Eigenanteil steigt, ist keine Momentaufnahme: Die aktuellen Auswertungen (u. a. vdek) zeigen für den Jahreswechsel 2026 erneut ein Plus – im bundesweiten Schnitt liegen wir mittlerweile bei einem Eigenanteil von 3245€ monatlich.
Wichtig: Die Spannweite zwischen Bundesländern ist groß – und auch innerhalb eines Bundeslands können die Unterschiede zwischen Einrichtungen deutlich sein.
Pflege braucht Fachkräfte. Höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen sind richtig – aber sie erhöhen die laufenden Kosten in der stationären Pflege spürbar.
Energie, Lebensmittel, Betriebskosten, medizinische Verbrauchsmaterialien: Was im Alltag teurer wird, wird auch im Heim teurer.
Die Pflegeversicherung übernimmt nicht „die Heimkosten“, sondern zahlt Leistungsbeträge, die die Gesamtkosten oft nicht einholen. Genau diese Lücke spüren Familien als Eigenanteil – Monat für Monat.
| Kostenübersicht | |||||
|---|---|---|---|---|---|
| Stadt | Kostenpunkt ~ | Stadt | Kostenpunkt ~ | ||
| München | 4000€ | Berlin | 3200€ | ||
| Mannheim | 3600€ | Frankfurt a. M. | 3200€ | ||
| Bremen | 3600€ | Kiel | 3200€ | ||
| Stuttgart | 3500€ | Köln | 3100€ | ||
| Hamburg | 3300€ | Hannover | 3000€ | ||
| Mainz | 3200€ | Erfurt | 3000€ | ||
Wenn der Eigenanteil dauerhaft höher ist als Rente + Vermögen hergeben, landet man schnell bei „Hilfe zur Pflege“ (Sozialamt). Das ist längst kein Randthema mehr.
Und: Sozialhilfe in der Pflege ist kein Almosen, sondern ein Rechtsanspruch, wenn die Voraussetzungen erfüllt sind.
Mehr dazu können Sie in unserem Blogartikel „Hilfe zur Pflege“ nachlesen.
Viele haben Angst, dass „die Kinder alles zahlen müssen“. Seit 2020 gilt jedoch: In der Regel werden Kinder erst ab 100.000 Euro Jahresbruttoeinkommen (Grenze im Angehörigen-Entlastungsgesetz) zum Elternunterhalt herangezogen.
Auch hierzu haben wir für Sie bereits nähere Informationen zusammengestellt, wann Kinder für Ihre Eltern haften.
Es gibt Entlastungszuschläge, die den pflegebedingten Eigenanteil mindern – abhängig davon, wie lange jemand im Heim lebt (Staffelung nach Aufenthaltsdauer). Das hilft – aber häufig greift die Entlastung langsamer als die Gesamtkosten steigen.
Ein weiterer Punkt, der in der Praxis oft frustriert: Viele Menschen ziehen heute relativ spät ins Heim ein – die Aufenthaltsdauer ist oft begrenzt. Dadurch profitieren manche nur kurz von höheren Zuschlagsstufen (und am Anfang ist die Entlastung am niedrigsten).
Die Frage ist selten „Heim oder gar nichts“, sondern eher: Welche Versorgungsform ist finanziell tragbar und menschlich passend?
Falls die 24h-Betreuung für Sie eine Option darstellt, können Sie sich hier über den Ablauf, Alltag und echte Hilfe sowie über deren Kosten informieren.
Zuhause braucht Organisation, Koordination und Ehrlichkeit. Der Unterschied: Man gestaltet – statt nur zu reagieren. (Diesen Gedanken aus dem Kollegen-Entwurf habe ich bewusst beibehalten.)
Die steigenden Eigenanteile im Pflegeheim sind für viele Familien nicht mehr nur „unangenehm“, sondern existenziell. 3.245 Euro im Monat im ersten Heimjahr sind eine Größenordnung, die Entscheidungen erzwingt – auch bei Menschen, die glaubten, „gut vorgesorgt“ zu haben.
Der wichtigste Schritt ist deshalb nicht, sofort eine Lösung zu wählen – sondern sauber zu rechnen, früh zu planen und sich unabhängig beraten zu lassen (z. B. Pflegestützpunkt). Und dann die Option zu wählen, die finanziell tragbar und menschlich passend ist.
Wie hoch ist der Eigenanteil im Pflegeheim 2026?
Im bundesweiten Durchschnitt liegt der Eigenanteil für Neuaufnahmen im ersten Jahr 2026 bei rund 3.245 Euro pro Monat (Auswertungen u. a. auf Basis vdek).
Warum zahlt man trotz Pflegeversicherung so viel selbst?
Weil die Pflegeversicherung feste Leistungsbeträge zahlt, aber Kosten für Unterkunft/Verpflegung und Investitionen nicht vollständig abdeckt – die Differenz bleibt als Eigenanteil.
Müssen Kinder für die Heimkosten der Eltern zahlen?
In der Regel nur, wenn das Jahresbruttoeinkommen über 100.000 Euro liegt (Angehörigen-Entlastungsgesetz).
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