Wie finde ich die richtige Pflegekraft für zuhause?
E.S.
21. November 2025
Ein Leitfaden für Angehörige, die nicht mehr alles alleine schaffen wollen (oder können)
Kurzfassung für Eilige: Eine Pflegekraft für zuhause zu finden ist möglich – aber der Weg dorthin kann unübersichtlich sein. In diesem Beitrag zeigen wir Schritt für Schritt, wie Sie Ihren Bedarf klären, welche Modelle es gibt (Pflegedienst, 24-Stunden-Betreuung, private Anstellung), woran Sie seriöse Anbieter erkennen und wie Sie Kosten und Finanzierung realistisch einschätzen.
Wer zum ersten Mal „Pflegekraft für zuhause finden“ googelt, stellt schnell fest: unzählige Angebote, widersprüchliche Versprechen, extreme Preisunterschiede – und dazwischen die eigene Sorge um Mutter, Vater oder Partner.
Gleichzeitig wünschen sich die meisten älteren Menschen genau das: in den eigenen vier Wänden bleiben, statt ins Heim umzuziehen. Eine häusliche Betreuung – z. B. durch ambulante Pflege oder eine sogenannte „24-Stunden-Betreuung“ – kann genau das ermöglichen.
Damit Sie nicht im Angebots-Dschungel verloren gehen, schauen wir uns strukturiert an:
Bevor Sie überhaupt eine Pflegekraft suchen, lohnt sich ein ehrlicher Blick auf den Alltag:
Fragen, die Sie sich stellen sollten:
Seien Sie bei diesen Angaben möglichst klar und ehrlich – auch gegenüber Vermittlungsagenturen oder Pflegediensten. Dazu gehört zum Beispiel:
„Schön gerechnete“ Situationen führen häufig dazu, dass eine Pflegekraft vor Ort völlig überfordert ist und die Betreuung abbrechen möchte. Je genauer die Ausgangslage beschrieben wird, desto höher ist die Chance, dass Sie eine passende Person finden, die langfristig bleiben kann.
Nutzen Sie kostenlose Pflegeberatung – z. B. bei Pflegestützpunkten, Pflegekassen oder Wohlfahrtsverbänden. Dort können Sie gemeinsam prüfen, welches Versorgungsmodell zu Ihrer Situation passt.
„Pflegekraft für zuhause“ ist ein Sammelbegriff. Dahinter stecken verschiedene Modelle mit sehr unterschiedlichen Kosten, Rechten und Pflichten.
Ein ambulanter Pflegedienst kommt ein- oder mehrmals täglich nach Hause – zum Beispiel für:
Vorteil:
Alles ist klar geregelt, pflegefachlich gesteuert und mit der Pflege- oder Krankenkasse abrechenbar.
Nachteil:
Zwischen den Einsätzen ist die pflegebedürftige Person oft allein. Für Menschen, die dauerhaft Aufsicht oder Begleitung brauchen, reicht das häufig nicht.
Hier zieht eine Betreuungskraft (meist aus Osteuropa) in den Haushalt ein und bietet:
Wichtig:
Diese Betreuungskräfte dürfen keine medizinischen Tätigkeiten übernehmen – das ist Aufgabe eines ambulanten Pflegedienstes.
Dieses Modell ist in Deutschland weit verbreitet und wird meist über Vermittlungsagenturen organisiert.
Manche Familien stellen eine Pflegekraft direkt an (als Arbeitgeber) oder engagieren eine vermeintlich selbständige Betreuungskraft.
Das klingt oft günstiger, birgt aber Risiken:
Wenn klar ist, was Sie suchen, geht es an die Frage „wo“.
Mögliche Wege:
Grundregel:
Je direkter Sie zur Pflegekraft kommen, desto mehr Organisation & Verantwortung liegt bei Ihnen. Je mehr ein professioneller Anbieter übernimmt, desto mehr Struktur & Absicherung gibt es.
Bei der Auswahl einer Vermittlungsagentur oder eines Pflegedienstes sollten bei Ihnen nicht nur Alarmglocken, sondern auch Checklisten klingeln.
wenn die Zahlung auf ein oder mehrere Konten verteilt werden soll, sollte man kritisch nachfragen. Vorsicht bei geforderten Barzahlungen.
Folgen Sie der alten Buchhalterregel: “keine Buchung ohne Beleg“
Eine Pflegekraft für zuhause ist kein Schnäppchen, aber viele Familien sind überrascht, wie viel sich durch die Pflegeversicherung und clevere Kombinationen auffangen lässt.
Grobe Kostenordnung:
Für eine legale 24-Stunden-Betreuung durch eine entsendete Betreuungskraft aus Osteuropa liegen die monatlichen Kosten in der Praxis häufig etwa zwischen ca. 2.800 und 4.500 Euro, abhängig von Sprachkenntnissen, Aufgaben, Zuschlägen und Anfahrtswegen.
Ambulante Pflegedienste rechnen Leistungen direkt mit der Pflegekasse und Krankenkasse ab – hier fällt für Sie vor allem ein Eigenanteil an, wenn das Budget der Pflegesachleistungen ausgeschöpft ist.
Welche Leistungen der Pflegeversicherung helfen?
Je nach Pflegegrad können unter anderem genutzt werden:
Hinzu kommen gegebenenfalls steuerliche Vorteile (haushaltsnahe Dienstleistungen).
Die beste Qualifikation hilft wenig, wenn die Chemie nicht stimmt. Achten Sie neben Fakten auch auf weiche Faktoren:
Gerade bei einer Betreuungskraft, die mit im Haushalt lebt, spielen kultureller Hintergrund und religiöse Prägung eine größere Rolle, als viele Familien zunächst denken. Eine Pflegekraft isst unter Umständen andere Dinge, kocht anders, hat andere Vorstellungen von Feiertagen, Sonntagen oder Gebetszeiten. Es hilft enorm, diese Themen offen anzusprechen:
Wenn möglich, planen Sie:
Es ist nicht selten, dass es mehrerer Anläufe braucht, bis die passende Hilfe gefunden ist.
Die beste Pflegekraft scheitert, wenn sie in ein Chaos ohne Absprachen hineingerät.
Was hilft in den ersten Wochen:
Gerade zu Beginn lohnt sich auch ein offenes Gespräch über praktische Dinge des Alltags:
So vermeiden Sie viele Konflikte, bevor sie entstehen.
Damit Sie nicht in klassische Fallen tappen, hier eine kleine „Don’t-do-Liste“:
Wenn Sie diesen Beitrag lesen, stehen Sie vermutlich vor einer der schwierigsten Entscheidungen: Wie organisiere ich Pflege zuhause, ohne mich selbst zu überfordern – und ohne meine Angehörigen zu übersehen?
Genau hier setzen wir als Ihr Team 24 Pflegedienst GmbH an:
Nutzen Sie diesen Beitrag gern als Checkliste für Gespräche – auch mit uns. Stellen Sie kritische Fragen, vergleichen Sie Angebote und prüfen Sie in Ruhe, was zu Ihnen passt.
Denn am Ende geht es nicht nur darum, „eine Pflegekraft für zuhause zu finden“, sondern darum, die richtige Person und das richtige Modell für Ihre Familie zu wählen.
Man stelle sich vor: Wochenlang haben Sie telefoniert, verglichen, gerechnet. Endlich ist eine Betreuungskraft gefunden. Lebenslauf passt, Deutschkenntnisse klingen gut, die Agentur wirkt seriös. Der Anreisetermin steht, alle atmen auf: „Jetzt wird alles besser.“
Und dann – nach ein paar Tagen oder Wochen – heißt es plötzlich:
„Es tut mir leid, ich schaffe das so nicht. Ich möchte wieder nach Hause.“
Was ist passiert?
„So schlimm ist es nachts nicht…“ – bis die Realität kommt
Am Telefon klang es noch harmlos:
Was auf dem Papier nach „leichter Betreuung“ aussah, entpuppt sich als Dauernotdienst ohne Schlaf. Kein Wunder, wenn eine Betreuungskraft nach wenigen Tagen merkt: „Das halte ich körperlich nicht aus“ – und die Koffer wieder packt.
Falsche Erwartung:
„Wir sagen erstmal nicht alles, sonst bekommen wir niemanden.“
Ergebnis:
Genau deshalb bleibt niemand.
Inkontinenz „schönreden“ – ein klassischer Abreisetrigger
Reizthema: Inkontinenz.
Wenn Sie sagen:
„Ja, da geht manchmal was daneben, aber das ist nicht so schlimm…“
…und in Wirklichkeit bedeutet es:
dann erleben Sie vor Ort eine Betreuungskraft, die sich überrumpelt fühlt. Nicht, weil sie „zu schade zum Aufräumen“ ist – sondern weil sie etwas ganz anderes zugesagt bekam.
Wer hier nicht klar ist, sorgt dafür, dass die Betreuerin innerlich kündigt, lange bevor sie die Wohnung verlässt.
Wohnung: „Alles kein Problem“ – bis die Mitarbeiterin ankommt
Der Zustand und Zuschnitt der Wohnung sind oft Thema:
Wenn am Telefon von „gemütlicher Wohnung mit eigenem Zimmer“ die Rede war und vor Ort eine Mischung aus Baustelle, Stolperfallen und Rumpelkammer wartet, fühlt sich die Betreuungskraft nicht ernst genommen.
Und mal ehrlich:
Würden Sie mehrere Wochen oder Monate arbeiten wollen, schlafen zwischen Kartons, ohne Platz, ohne richtigen Schrank – und gleichzeitig 24/7 verfügbar sein?
Essen, Kultur, Religion: „Das wird schon“ ist kein Konzept
Typische Konflikte:
Die Betreuungskraft bringt ihre eigene Kultur, Religion und Essgewohnheiten mit.
Oft ist die Erwartung:
„Du bist zwar da, aber bitte funktioniere einfach in unserem System. Dafür bezahlen wir ja schließlich eine Menge Geld.“
Das Ergebnis:
Innere Distanz, Unzufriedenheit, Heimweh.
Und irgendwann die Entscheidung: „Ich komme nicht mehr zurück“.
„Die macht dann alles“ – die perfekte Anleitung für Frust
Ein weiterer Klassiker:
„Wir brauchen einfach jemanden, der alles macht.“
Übersetzt heißt das:
Ohne:
So etwas sprengt jedes normale Arbeitsverhältnis. Was auf dem Papier nach „Hilfe im Haushalt und Betreuung“ klingt, ist in Wirklichkeit oft eine Drei-Personen-Stelle zum Preis von einer.
Angehörige im Rückzug: „Jetzt ist ja jemand da“
Das nächste Missverständnis:
„Jetzt, wo eine Betreuungskraft im Haus ist, müssen wir ja nicht mehr so oft kommen.“
Natürlich sollen Angehörige entlastet werden – das ist Sinn der Sache.
Aber wenn die Familie von „präsent und unterstützend“ zu „quasi unsichtbar“ wechselt, passiert Folgendes:
Wenn niemand da ist, der Konflikte moderiert, ist der Weg zur Abreise nicht mehr weit.
Die Summe der kleinen Unehrlichkeiten ist oft eine Mischung aus:
Selten wird der Einsatz nur aus einem Grund abgebrochen.
Die Betreuerin merkt:
„Das, was man mir versprochen hat, hat mit der Realität zu wenig zu tun.“
Wer einmal das Gefühl hat, mit halben Wahrheiten in eine Überforderung gelockt worden zu sein, der kommt in der Regel nicht ein zweites Mal.
Vom Arbeitgeber- zum Bewerbermarkt – Heute wählen die Betreuungskräfte
Man muss sich hin und wieder klarmachen, wie sehr sich das Verhältnis von Hilfebedarf und Bewerbern verschoben hat: Die Zahl der pflegebedürftigen Menschen in Deutschland ist seit 2011 von rund 2,5 Millionen auf knapp 5,7 Millionen Ende 2023 gestiegen – rund 85 % von ihnen werden zu Hause versorgt. Gleichzeitig gibt es immer weniger Bewerber pro Stelle: Nach Daten der Bundesagentur für Arbeit kommen auf 100 gemeldete offene Stellen in der Pflege heute nur noch etwa 33 arbeitslose Pflegefachpersonen; 2012 waren es noch 45. Anders gesagt: Vor 10–15 Jahren konnte man sich in der Regel noch zwischen mehreren Kandidaten entscheiden – heute buhlen zwei bis drei Arbeitgeber um eine einzige Bewerberin oder einen Bewerber.
Und wie macht man es besser?
Viele Abreisen und gar nicht erst beginnende Einsätze ließen sich verhindern, wenn Familien sich trauen würden, von Anfang an brutal ehrlich zu sein:
Wer klar sagt:
„Ja, das ist anstrengend – aber wir wissen es, benennen es und stehen dazu“
…hat wesentlich bessere Chancen, eine Hilfe zu finden, die sagt:
„Das ist nicht leicht, aber ich weiß, worauf ich mich einlasse.“
Bedenken Sie auch, wie viel Unsicherheit bei einer häuslichen 24-Stunden-Betreuung auf beiden Seiten mitschwingt: Die überwiegend weiblichen Betreuungskräfte lassen ihr Zuhause für mehrere Wochen oder Monate zurück, ziehen in einen fremden Haushalt, leben rund um die Uhr mit Menschen zusammen, die sie vorher nie gesehen haben – und wissen oft nicht genau, was sie vor Ort erwartet. Die pflegebedürftigen Menschen und ihre Angehörigen wiederum lassen eine ihnen völlig fremde Person nicht nur in ihre Wohnung, sondern in ihren Alltag, ihren Körperpflege-Bereich, ihre familiären Routinen und Konflikte.
Gerade in den ersten Wochen braucht es deshalb auf allen Seiten viel Verständnis, Mut und Geduld. Unser Wunsch ist, dass so eine langfristige, würdevolle, respektvolle und vertrauensvolle Betreuungssituation entsteht, von der alle Beteiligten profitieren.
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