Stand: April 2026
Neuhausen auf den Fildern liegt ruhig zwischen Stuttgart und dem Flughafen — und genau diese Lage macht es für viele Familien zur idealen Heimat bis ins hohe Alter. Doch wenn ein Angehöriger plötzlich auf Unterstützung rund um die Uhr angewiesen ist, stehen Familien vor Fragen, die sich nicht von selbst beantworten: Welche Betreuungsform passt? Was übernimmt die Pflegekasse? Und was müssen Sie selbst stemmen? Dieser Ratgeber gibt Ihnen einen strukturierten Überblick — speziell für die Situation in Neuhausen auf den Fildern und dem Filderraum.
Der Begriff „24h Pflege“ klingt eindeutig, ist es aber nicht. In der Praxis verbergen sich dahinter sehr unterschiedliche Modelle — mit ebenso unterschiedlichen Kosten und Anforderungen. Grundsätzlich lassen sich drei Varianten unterscheiden:
- Entsendung einer Betreuungskraft aus dem EU-Ausland. Eine Pflegeperson aus Polen, Rumänien oder Bulgarien zieht vorübergehend in den Haushalt ein. Sie bleibt Arbeitnehmerin ihres ausländischen Entsendeunternehmens — die Familie schließt einen Betreuungsvertrag mit der Agentur. Typische Kosten: 2.200 bis 3.500 Euro monatlich.
- Direktanstellung einer Pflegeperson. Die Familie stellt selbst eine Betreuungskraft an. Das ist arbeitsrechtlich komplex und erfordert die Anmeldung bei der Minijob-Zentrale oder als sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. Eine individuelle Prüfung durch Rechts- und Steuerberatung ist hier dringend empfehlenswert.
- Ambulanter Pflegedienst mit mehreren Einsätzen täglich. Ein zugelassener Pflegedienst kommt mehrmals am Tag — für Körperpflege, Medikamentengabe, Mahlzeiten. Das deckt keine echte Rund-um-die-Uhr-Präsenz ab, kombiniert aber gut mit Angehörigenpflege.
Wichtig: Eine einzelne Betreuungskraft kann rechnerisch keine 24-Stunden-Vollversorgung im arbeitsrechtlichen Sinne leisten. Das Arbeitszeitgesetz begrenzt die tägliche Arbeitszeit auf maximal acht Stunden, ausnahmsweise zehn (§ 3 ArbZG). Mit Urteil vom 24. Juni 2021 (Az. 5 AZR 505/20) hat das Bundesarbeitsgericht festgestellt, dass Bereitschaftszeiten innerhalb des Haushalts dann als vergütungspflichtige Arbeitszeit gelten, sobald die Betreuungskraft nicht eigenständig über diese Zeit verfügen kann. Familien, die eine Live-in-Kraft direkt anstellen, sollten diesen Punkt unbedingt mit einem Arbeitsrechtsberater klären.

Was zahlt die Pflegekasse für häusliche Pflege im Filderraum?
Die gute Nachricht zuerst: Die Pflegeversicherung stellt für häusliche Pflege ab Pflegegrad 2 verschiedene Leistungen bereit, die sich sinnvoll kombinieren lassen. Die schlechte Nachricht: Sie decken selten die gesamten Kosten einer 24h-Betreuung. Hier ein realistischer Überblick für das Jahr 2026.
Pflegegeld — für die Pflege durch Angehörige
Nach § 37 Abs. 1 SGB XI können pflegebedürftige Menschen der Pflegegrade 2 bis 5 anstelle professioneller Sachleistungen ein Pflegegeld beantragen. Nach § 37 Abs. 1 SGB XI ist allein die pflegebedürftige Person Inhaberin des Pflegegeldanspruchs; Angehörige, die die Versorgung übernehmen, haben keinen eigenständigen gesetzlichen Anspruch auf diese Zahlung. Über die Verwendung des Betrags entscheidet die pflegebedürftige Person eigenverantwortlich; in der Praxis wird das Pflegegeld häufig als Aufwandsentschädigung an die versorgenden Familienmitglieder weitergereicht. Die aktuellen Beträge für 2026 (unverändert seit 1. Januar 2025):
- Pflegegrad 2: 347 Euro monatlich
- Pflegegrad 3: 599 Euro monatlich
- Pflegegrad 4: 800 Euro monatlich
- Pflegegrad 5: 990 Euro monatlich
Ein typisches Szenario aus dem Filderraum: Eine 81-jährige Person mit Pflegegrad 3 und beginnender Demenz erhält 599 Euro Pflegegeld monatlich. Hinzu kommen 131 Euro Entlastungsbetrag nach § 45b SGB XI — insgesamt 730 Euro. Dieser Betrag bildet die Ausgangsbasis; in Kombination mit Sachleistungen und Verhinderungspflege lässt sich die Versorgung deutlich weiter absichern.
Beim Pflegegeld gilt außerdem eine wichtige Regelung für Auszeiten: Im Gesetz heißt es dazu wörtlich: „Die Hälfte des bisher bezogenen Pflegegeldes wird während einer Kurzzeitpflege nach § 42 und während einer Verhinderungspflege nach § 39 jeweils für bis zu acht Wochen je Kalenderjahr fortgewährt. Das Pflegegeld wird bis zum Ende des Kalendermonats geleistet, in dem der Pflegebedürftige gestorben ist. § 118 Abs. 3 und 4 des Sechsten Buches gilt entsprechend, wenn für die Zeit nach dem Monat, in dem der Pflegebedürftige verstorben ist, Pflegegeld überwiesen wurde.“ Das bedeutet: Wenn Ihr Angehöriger übergangsweise in eine Kurzzeitpflegeeinrichtung wechselt, bleibt die Hälfte des Pflegegelds erhalten.
Pflegesachleistungen — wenn ein Pflegedienst kommt
Wer einen zugelassenen ambulanten Pflegedienst beauftragt, kann Pflegesachleistungen nach § 36 SGB XI abrufen. Diese werden direkt zwischen Pflegedienst und Pflegekasse abgerechnet. Die monatlichen Höchstbeträge für 2026:
- Pflegegrad 2: bis zu 796 Euro
- Pflegegrad 3: bis zu 1.497 Euro
- Pflegegrad 4: bis zu 1.859 Euro
- Pflegegrad 5: bis zu 2.299 Euro
In der Pflegepraxis des Filderraums hat sich ein Versorgungsmodell etabliert, bei dem ein zugelassener ambulanter Pflegedienst die fachpflegerischen Kernaufgaben übernimmt, während Familienangehörige die übrigen Tagesstunden abdecken — abgerechnet wird dies als Kombinationsleistung nach § 38 SGB XI. Das ist nach § 38 SGB XI als Kombinationsleistung möglich — die Anteile werden dann proportional aufgeteilt.
Wichtiger Hinweis: Pflegegeld und Pflegesachleistung können nicht gleichzeitig in voller Höhe bezogen werden. Bei der Kombinationsleistung nach § 38 SGB XI gilt: Wer 50 Prozent der Sachleistung nutzt, erhält 50 Prozent des Pflegegelds. Pflegende Angehörige sollten die konkrete Aufteilung vorab mit der Pflegekasse abstimmen, da nachträgliche Korrekturen aufwendig sein können.

Welche Zusatzleistungen können Familien in Neuhausen auf den Fildern noch nutzen?
Der Entlastungsbetrag — 131 Euro für Alltagsunterstützung
Der Entlastungsbetrag nach § 45b SGB XI steht allen Pflegebedürftigen in häuslicher Pflege zu — von Pflegegrad 1 bis 5. Er beträgt 131 Euro monatlich und muss zweckgebunden eingesetzt werden: für Tages- oder Nachtpflege, Kurzzeitpflege, ambulante Pflegedienste oder nach Landesrecht anerkannte Alltagsunterstützungsangebote. Monatlich nicht genutzte Anteile des Entlastungsbetrags verfallen nicht sofort, sondern werden fortlaufend angesammelt — jedoch gilt eine klare Ausschlussfrist: Alles, was bis zum 30. Juni des Folgejahres ungenutzt bleibt, erlischt endgültig und kann nicht nachträglich erstattet werden.
In Baden-Württemberg gibt es eine Reihe anerkannter Angebote, für die der Entlastungsbetrag eingesetzt werden kann — von Betreuungsgruppen für demenzkranke Menschen bis zu Alltagsbegleitern. Das Landratsamt Esslingen (zuständig für Neuhausen auf den Fildern) gibt auf Anfrage Auskunft über aktuell anerkannte Anbieter in der Region.
Der gemeinsame Jahresbetrag für Auszeiten
Seit dem 1. Juli 2025 fasst § 42a SGB XI die Budgets für Verhinderungspflege und Kurzzeitpflege zu einem einheitlichen Jahresbetrag von 3.539 Euro zusammen (ab Pflegegrad 2). Familien entscheiden selbst, wie sie diesen Betrag auf die beiden Leistungsarten verteilen — eine starre Zweckbindung auf separate Töpfe gibt es nicht mehr.
Das Gesetz regelt dazu ausdrücklich: „Erbringen Pflegeeinrichtungen Leistungen im Rahmen der Verhinderungspflege oder der Kurzzeitpflege, haben die Pflegeeinrichtungen den Pflegebedürftigen im Anschluss an die Leistungserbringung unverzüglich eine schriftliche Übersicht über die dafür angefallenen Aufwendungen zu übermitteln oder auszuhändigen; auf der Übersicht ist deutlich erkennbar auszuweisen, welcher Betrag davon zur Abrechnung über den Gemeinsamen Jahresbetrag vorgesehen ist.“ Das schützt Sie als Familie vor unerwarteten Abrechnungen.
Tipp: Wer eine Betreuungskraft aus dem EU-Ausland engagiert und die Pflegeperson für einige Wochen Urlaub braucht, kann die Vertretung über den gemeinsamen Jahresbetrag finanzieren — vorausgesetzt, die Vertretung erfolgt über eine anerkannte Pflegeeinrichtung oder zugelassene Pflegeperson.

Was bleibt für Familien in Neuhausen auf den Fildern am Ende selbst zu zahlen?
Grundsätzlich gilt: Die gesetzliche Pflegeversicherung funktioniert nach dem Prinzip der Teilleistung — je Pflegegrad sind feste Höchstbeträge vorgesehen, keine Vollkostenübernahme. Die Lücke zwischen dem, was die Pflegekasse beisteuert, und den tatsächlich anfallenden Kosten muss aus dem Vermögen der pflegebedürftigen Person gedeckt werden. Bei einer 24h-Betreuung durch eine entsandte Betreuungskraft (Kosten: ca. 2.200 bis 3.500 Euro monatlich) verbleibt nach Abzug der Kassenleistungen ein erheblicher Eigenanteil.
Nehmen wir ein realistisches Rechenbeispiel für Pflegegrad 3:
- Pflegesachleistung (§ 36 SGB XI): bis zu 1.497 Euro — allerdings nur wenn ein zugelassener Pflegedienst erbringt, nicht für die entsandte Betreuungskraft direkt.
- Entlastungsbetrag (§ 45b SGB XI): 131 Euro monatlich.
- Steuerliche Entlastung (§ 35a EStG): Bei sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung oder Inanspruchnahme eines zugelassenen Pflegedienstes können 20 Prozent der Arbeitskosten steuerlich geltend gemacht werden — maximal 4.000 Euro pro Jahr (§ 35a Abs. 2 EStG). Bei Zahlung per Überweisung, nicht Barzahlung.
Wichtiger Hinweis: Ob und in welchem Umfang Kassenleistungen mit einer entsandten Betreuungskraft kombiniert werden können, hängt von der konkreten Vertragsgestaltung ab. Eine Pflegeberatung nach § 7a SGB XI — kostenlos über die Pflegekasse oder den Pflegestützpunkt des Landratsamts Esslingen — kann helfen, die optimale Kombination für Ihre Situation zu finden.
Was gilt für den Beratungseinsatz beim Pflegegeld?
Der Bezug von Pflegegeld ab Pflegegrad 2 ist an regelmäßige Beratungseinsätze geknüpft: Für Pflegegrad 2 und 3 schreibt die BEEP-Regelung (gültig ab 2026) einen halbjährlichen Pflichttermin vor. Personen mit Pflegegrad 4 oder 5 haben darüber hinaus die Möglichkeit, freiwillig vierteljährliche Beratungen in Anspruch zu nehmen — das entspricht bis zu vier Terminen jährlich. Wird ein Pflichttermin ohne nachvollziehbaren Grund versäumt, reagiert die Pflegekasse nach § 37 Abs. 6 SGB XI stufenweise: Zunächst wird das Pflegegeld anteilig gekürzt; hält die Nichtwahrnehmung an, kann die Zahlung vollständig eingestellt werden.
Das Gesetz regelt dazu ausdrücklich, wer diese Beratung durchführen darf: „Die Beratung nach Absatz 3 kann durchgeführt werden durch 1. einen zugelassenen Pflegedienst, 2. eine von den Landesverbänden der Pflegekassen nach Absatz 7 anerkannte Beratungsstelle mit nachgewiesener pflegefachlicher Kompetenz oder 3. eine von der Pflegekasse beauftragte, jedoch von ihr nicht beschäftigte Pflegefachperson, sofern die Durchführung der Beratung durch einen zugelassenen Pflegedienst vor Ort oder eine von den Landesverbänden der Pflegekassen nach Absatz 7 anerkannte Beratungsstelle mit nachgewiesener pflegefachlicher Kompetenz nicht gewährleistet werden kann.“ Im Filderraum sind mehrere zugelassene Pflegedienste für den Beratungseinsatz nach § 37 Abs. 3 SGB XI tätig; Erfahrungen aus der Region zeigen, dass sich Termine in Neuhausen auf den Fildern in der Regel zeitnah und unkompliziert koordinieren lassen.
Wann lohnt welches Modell für Familien auf den Fildern?
Eine pauschale Antwort gibt es nicht. In der Pflegepraxis zeigt sich aber ein Muster, das für viele Familien passt:
- Pflegegrad 2 oder 3, überwiegend mobile Person. Ambulanter Pflegedienst für Körperpflege und Medikamentengabe, ergänzt durch Angehörigenpflege und Entlastungsbetrag für Alltagsbegleitung. Kosten weitgehend über Kassenleistungen abdeckbar.
- Pflegegrad 3 oder 4, Demenz oder Sturzgefahr. Entsandte Betreuungskraft plus ambulanter Pflegedienst für pflegerische Fachleistungen. Kombination aus Sachleistung und Entlastungsbetrag reduziert den Eigenanteil spürbar.
- Pflegegrad 4 oder 5, schwere Pflegebedürftigkeit. Hier reichen die Kassenleistungen oft nicht aus, um eine 24h-Betreuung vollständig zu finanzieren. Ein Vergleich mit stationärer Pflege lohnt sich: Der Gesamt-Eigenanteil im Pflegeheim liegt in Baden-Württemberg typischerweise bei durchschnittlich 3.532 Euro monatlich im ersten Jahr (pflegebedingter Eigenanteil plus Unterkunft, Verpflegung, Investitionskosten).
Zur Orientierung: Der Pflegebeitragssatz beträgt 2026 bundeseinheitlich 3,6 Prozent — für Kinderlose 4,2 Prozent. Der genaue Gesetzestext lautet: „Der Beitragssatz beträgt, vorbehaltlich des Satzes 2, bundeseinheitlich 3,4 Prozent der beitragspflichtigen Einnahmen der Mitglieder; er wird grundsätzlich durch Gesetz festgesetzt.“ Der aktuell geltende Satz von 3,6 Prozent wurde durch Rechtsverordnung angepasst. Eine nächste automatische Dynamisierung der Pflegeleistungen ist frühestens zum 1. Januar 2028 vorgesehen (§ 30 SGB XI).
Wenig bekannt, aber finanziell bedeutsam: Wer als Angehöriger mindestens zehn Stunden pro Woche an mindestens zwei Tagen eine pflegebedürftige Person ab Pflegegrad 2 betreut und dabei die eigene Erwerbstätigkeit auf höchstens 30 Wochenstunden begrenzt, baut aktiv Rentenanwartschaften auf — die entsprechenden Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung übernimmt nach § 44 SGB XI die Pflegekasse. Für Angehörige, die ihre Berufstätigkeit zugunsten der Pflege reduzieren, ist dies ein Ausgleich, der in der Praxis häufig unterschätzt wird.
Weiterlesen: Pflegegeld und Sachleistung kombinieren — so geht Kombinationsleistung nach § 38 SGB XI
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine medizinische, pflegerische oder rechtliche Beratung im Einzelfall dar. Pflegerische Sachverhalte und Leistungsansprüche sind individuell verschieden. Für verbindliche Auskünfte zu Ihrer persönlichen Pflegesituation wenden Sie sich bitte an Ihre Pflegekasse, eine qualifizierte Pflegeberatung (§ 7a SGB XI) oder den behandelnden Arzt. Wegen der komplexen Einzelfall-Bewertung bei arbeitsrechtlichen Fragen — insbesondere zur Direktanstellung oder Entsendung von Betreuungskräften — sollte diese Konstellation unbedingt mit einer qualifizierten Rechts- und Steuerberatung geklärt werden. Trotz sorgfältiger Recherche übernehmen wir keine Gewähr für die Vollständigkeit und Aktualität der Angaben.
Ihr Team 24 Pflegedienst GmbH
K1, 2, 68159 Mannheim
Geschäftsführer: Kornelia Melinda Reszler und Nasim Oumzil


